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Auslandssemester an der Ewha Womans University (2012) - ein Erfahrungsbericht von Franziska Kuntz

Sicher kennt jeder inzwischen den Song „Gangnam Style“ von dem PSY. PSY ist ein Südkoreaner und Gangnam ist ein sehr wohlhabender Stadtteil von Seoul, der Hauptstadt von Südkorea.


Ich hatte meine ersten Kontakte mit Südkorea durch die koreanischen Austauschstudenten der WiSo-Fakultät. Als Buddy habe ich einige von ihnen betreut und wurde zum Dank öfter zu koreanischen Abenden eingeladen und so nach und nach in die Kultur eingeführt sowie immer mehr von dem Land begeistert. Im Februar 2012 habe ich dann mein Auslandssemester an der Ewha Womans University begonnen.

Die Ewha Womans University liegt im Herzen von Seoul. Der Campus umfasst modernste Architektur sowie traditionelle Gebäude, die umschlossen sind von gepflegten Gärten. Wenn man als Austauschstudent das Glück hat ein Zimmer in einem der beiden International Houses zu bekommen, schafft man es morgens innerhalb von fünf Minuten zur Vorlesung. Die Vorlesungen finden in Klassenräumen statt und es nehmen im Gegensatz zur Uni Köln auch in Bachelorkursen nur maximal 70-80 Studenten teil, was zu einer weniger anonymen Atmosphäre beitrug. Insgesamt empfand ich das Studium vom Inhalt her ein wenig leichter als in Köln, jedoch mussten öfter Aufgaben abgeben werden, die genau wie die Anwesenheit auch in die Endnote eingingen.

Wenn man wollte, könnte man das ganze Auslandssemester auf dem Campus der Universität verbringen, da dort alles zu bekommen ist.

Verlässt man das Unigelände doch, befindet man sich direkt in einem Paradies für jede Frau. Hunderte von kleinen Schuh-, Kleidergeschäften, Beautysalons und viele Cafés reihen sich dicht aneinander.

Läuft man ein Stück weiter, erreicht man zahlreiche günstige Restaurants sowie viele Bars. Für ein Mittag- oder Abendessen in einem koreanischen Restaurant zahlt man ca. 3-10€; wird die westliche Küche bevorzugt, muss mit sehr viel höheren Preisen gerechnet werden.

In einem besonders beliebten Restaurant bei den Austauschstudenten wird Koreanischer Barbecue angeboten. Dabei wird Fleisch oder Fisch auf einem in den Tisch eingelassenen Grill gegrillt und dazu einen Branntwein namens Soju getrunken. Insgesamt bietet die Koreanische Küche eine große Vielfalt, allerdings sind die meisten Gerichte sehr scharf. Ein wichtiger Hinweis: Wenn ein Koreaner behauptet, ein Essen sei nur geringfügig scharf, dann sollte man dies dennoch mit Vorsicht genießen!

Zum typischen Abendprogramm am Wochenende gehört in Korea das Karaoke-Singen. Allerdings verstehen die Koreaner nicht wie bei uns „öffentliche Blamage“ darunter. Man mietet sich einen gemütlichen Raum, meist für ein bis zwei Stunden, und kann dort nach Lust und Laune mit Freunden bekannte koreanische und englische Lieder nachsingen.

Neben Karaokeplätzen gibt es auch jede Menge andere Möglichkeiten zum Ausgehen in Seoul. Wenn es etwas teurer und exklusiver sein soll, empfiehlt sich Gangnam - günstigere Möglichkeiten findet man in den Stadtteilen Shinchon, wo die Ewha Womans University liegt, und Hongdae.


Die Fortbewegung zwischen den einzelnen Stadtteilen von Seoul ist sehr günstig, egal ob man die Subway, Busse oder Taxis benutzt. Das einfachste ist auf jeden Fall die Subway, allerdings ist diese, besonders zur Feierabendzeit, unglaublich überfüllt und falls man doch mal einen Sitzplatz ergattert und der Sitznachbar gerade nicht fernsieht oder Computerspiele spielt, kann es schonmal sein, dass er seinen Kopf zum Schlafen auf deiner Schulter ablegt.
Um Busse und Taxis zu nehmen, sollte wenigstens ein Grundvokabular an Koreanisch beherrscht werden, sodass man sicher an seinem Ziel ankommt.

Besonders empfehlen kann ich das koreanische Alphabet zu lernen. Das schafft man innerhalb von 2 Stunden und ist wirklich sehr nützlich z.B. um Schilder oder die Speisekarte halbwegs lesen zu können.  Es ist schon ein Glücksfall, wenn ein Taxifahrer Englisch sprechen kann. Ich habe das ehrlich gesagt nicht einmal erlebt.

Aber nicht nur Taxifahrer, auch die koreanischen Studenten halten sich sehr zurück, was das Englischsprechen angeht. Die Koreaner sind meist einfach zu schüchtern und haben Angst, dass sie Fehler machen könnten, aber dennoch gibt es insgesamt nur wenige, die überhaupt Englisch sprechen können.

Die Sprachbarriere hält sie jedoch nicht davon ab alles Mögliche zu tun, um dir zu helfen den Weg zu finden etc., auch nicht, wenn sie dafür schnell einen Blick ins Smartphone werfen oder einen Freund anrufen müssen, der Englisch sprechen kann.

Seoul ist eine Stadt der Gegensätze.

Überall findet man religiöse Elemente wie Tempel sowie alte Paläste, traditionelle Häuser und Menschen in traditionelle Kleidung gehüllt in Mitten von neuen Gebäuden, modernster Technik und unglaublich modebewussten jungen Leuten.

In dem Stadtteil Myeongdong kann man nicht nur ausgiebig seiner Shoppinglust (bei der man sich schnell an die Koreanischen Popsongs gewöhnen sollte, da diese in und auch vor den Geschäften rauf und runter laufen) nachgehen, sondern nebenher die vorbeigehenden Menschen beobachten, die neuste Trends setzen.

Zehn Millionen bewegen sich täglich durch die Stadt, sodass man rund um die Uhr und an jedem Ort von einer großen Menschenmenge umgeben ist. Trotz der vielen Leute ist Seoul eine der sichersten Städte, in der ich je war. Es ist fast üblich sich im Starbucks einen Tisch zu suchen, die neusten Smartphones auf den Tisch zu legen und sich dann mit der ganzen Gruppe in die Schlange zu stellen.
Da Südkorea ein relativ kleines Land ist, hat man eine tolle Chance in seiner Freizeit durch das Land zu reisen und weitere Aspekte der koreanischen Kultur, abseits von der Metropole Seoul, kennenzulernen. Mir hat insbesondere ein Ausflug nach Jeju, eine Insel im Süden des Landes, sehr gefallen. Dort  konnte man wunderschöne Landschaften und die klare, frische Luft genießen, von der Seoul recht wenig hat. Des Weiteren kann man von Korea aus auch günstig nach Japan oder China reisen.

Interessant zu wissen ist sicher auch, dass obwohl es sich um eine Frauenuniversität handelt, auch männliche Austauschstudenten zugelassen werden!


Ich kann also wirklich nur jedem empfehlen, die Chance zu ergreifen ein Auslandssemester in Seoul, insbesondere an der Ewha Womans University, zu machen. Seoul ist eine aufregende Stadt, in der es unheimlich viel zu entdecken gibt.


Meine Zeit in Südkorea war einfach unvergesslich und ich hoffe sehr, dass meine Wege mich in naher Zukunft nochmal dahin zurückführen.


Bei Fragen könnt ihr mich gerne jeder Zeit per Mail (franzi.kuntz(at)gmail.com) kontaktieren. Ich freue mich, wenn ich helfen kann.